Großrinderfeld St. Michael

 
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes findet man im Jahr 1312. Graf Ludwig von Rieneck überließ damals durch Kauf und Tausch die Vogtei und einige Einkünfte zu „Rinterfelt“ dem Stift Aschaffenburg. Einige andere Teile der Vogteiobrigkeit über das Dorf, das 1363 „zu grossen Rinderfelt“ und 1774 „gross Rinnefeld“ genannt wurde, sind 1583 von Würzburg an das Hochstift Mainz übergeben worden, zu dem der Ort bis 1803 gehörte. Seit 1384 sind auch die Herren von Zobel hier nachweisbar. Ein Grabstein des Hans von Zobel (gestorben 1442) befindet sich in der Pfarrkirche. Die Herren von Zobel galten als Dorfherren. Aus der Initiative des Herrn Rudolf Geiger aus Großrinderfeld, dem Vorsitzenden des Heimat und Kulturvereins Großrinderfeld, hat im Jahr 2010 die Grundschule Großrinderfeld den Namen Freiherr von Zobel erhalten. Die Klöster Gerlachsheim, Bronnbach, die Karthause Grünau, das Frauenkloster Unterzell u.a. besaßen hier Güter. Großrinderfeld kam 1803 an das Fürstentum Leiningen und 1806 an das Großherzogtum Baden. Am 19. Juni 1779 wurde das Dorf durch ein Großfeuer völlig vernichtet. Bei einer Brandkatastrophe im Jahr 1826 sind 29 Wohnhäuser, 45 Scheuern und 21 Nebengebäude in Asche verwandelt worden. Im Jahre 1952 brannten in Großrinderfeld 18 Gebäude nieder.

Die jetzige Pfarrkirche wurde 1775 und 1777 gebaut und ist dem heiligen Erzengel Michael geweiht. Die frühere gotische Kirche wurde somit abgerissen. Von der früheren Kirche steht noch der Glockenturm und im Chorraum findet man ein gotisches Christuskreuz. Der Bau ist barock oder – rokoko mit flacher Decke und halbkreisförmigem Apsis-Chor. Der Hochaltar hat einen sehr reichen Aufbau mit der Holzstatue des Hl. Michaels, den beiden Apostelfürsten Petrus und Paulus und den Bischöfen Bonifatius und Burkhard. Umringt sind diese vier von rokoko Engelsfiguren, und Köpfchen, Blumen und Girlanden. Darüber thront ebenfalls in Holzschnitzerei die Dreifaltigkeit über den Wolken. Satan, der Fürst der Unterwelt, liegt unter dem Fuß des Erzengels Michael mit dem Flammenschwert in der Hand. Der Marienaltar in der Pfarrkirche zu Großrinderfeld ist auf der linken Seite im Schiff. Er zeigt ein Bildnis der Mutter des Herrn: das Haupt der Muttergottes wird geziert durch die  12- fache Sternenkrone und zu ihren Füßen liegt, vom Fuße der Unbefleckten Jungfrau festgehalten, die arme Welt, von der Schlange umwunden.

An ihrer Seite stehen im Pilgergewandt die hl. Erzengel St. Gabriel und St. Rafael. Neben dem Altar trägt St. Joseph das Jesuskind. Daneben befindet sich der erste Soldatenmartyrer St. Sebastian, der an einen  Baum gebunden ist.

In ruhiger Hingabe ist St. Barbara am zweiten Seitenaltar zu sehen. Seite zwischen Vater und Richter wurde mit dem Blick zum Engel, der ihr die Krone der Vollendung bringt, im Bilde dargestellt. Figürlich steht sie daneben mit dem Kelch in der Hand, zur Erinnerung an die hl. Kommunion in der unterirdischen Gefängniszelle des Turms. Die Hl. Barbara ist die Patronin der schweren Artillerie und besondere Fürsprecherin in der Sterbestunde. Zur Seite stehen ihr der hl. Wendelin, der Patron gegen Viehseuchen und für gedeihliche Witterung und gute Ernte. Die hl. Katharina mit dem zerbrochenen Rad ihres Martyriums und der Pestheilige Rochus. Abschluss des Barbaraaltares ist die Heimholung der hl. Barbara in die ewige Herrlichkeit. „St. Barbara du edle Braut, Leib und Seel sei Dir anvertraut!“

An der Seitenwand der Kirche ist eine Mutter mit dem Kind im golddurchwirkten Gewand aufgestellt und am Haupteingang befindet sich die Mutter mit dem toten Leichnam des Sohnes. Von Dr. Eisele wurde 1945 eine zweite Katharina mit dem Rad der Pfarrei geschenkt. Auf der rechten Wand der Kirche steht hoch oben die Figur des leidenden Christus und eine Herz-Jesu- Figur.  Die schönen wertvollen Figuren auf der Kanzel sollen nicht vergessen werden: Das Symbol des Auferstandenen mit den figürlichen Darstellungen der drei göttlichen Tugenden: Glaube, Hoffnung, Liebe und die vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, umringen die schöne Kanzel. Nicht vergessen sei die spätgotische Grabinschrift auf dem Stein am Haupteingang: Hans Zobel, gestorbenen 1442, und seine Frau Barbara von Groß Trockau, mit dem Doppelwappen. Auf der Kirchendecke sieht man die Weihnachtsgeschichte, sowie die Darstellung des Herrn und die Heimsuchung Mariä. Die Orgel stammt aus dem Jahre 1907 und wurde von der Firma Wilhelm Schwarz und Sohn aus Überlingen gebaut. Zur Pfarrgemeinde gehört das Pfarrhaus aus dem Jahr 1755 und der Kindergarten, der 1974 errichtet und im Jahr 1999 erweitert wurde. Von der Entstehung der Kinderkrippe und des Kindergartens in Großrinderfeld wirkten segenreich bis 1999 die Franziskanerinnen  aus dem Kloster Oberzell in Würzburg.

 

Friedhofkapelle Großrinderfeld

Die Großrinderfelder Friedhofkapelle ist 1850/1852 erbaut worden. Eine Inschrift besagt: Hoc altare potatile est ex sacello domestco privato Reverendissimi D. Abbatis in Bildhausen usuale habuit Rvdsms. et Dominus et Rvdsms D-Vicarius Abbatishuius monasterii und folgendes: accepi a Rvdsmo D. Nivardo Abbato Bildhausen  4 Augusti 1804 FM & C A dd. Von Pfarrer Franz Sans steht darunter geschrieben: Großrinderfeld 1851/1956. Diese Tafel auf dem Altarstein ist also aus dem Kloster Bildhausen, vielleicht auch das Altarbildnis selbst. Die Kapelle ist Eigentum der kath. Kirchengemeinde. Der Friedhof und die Leichenhalle ist das Eigentum der politischen Gemeinde. Die beiden kleinen Glocken im Turm der Kapelle sind gestiftet von Bürgermeister Emil Weismann. Die Michaels Glocke im Turm der Pfarrkirche ist im Jahre 1949 mit 10 000 DM von der politischen Gemeinde gestiftet worden. Auf dem Großrinderfelder Friedhof erinnern zwei Grabsteine an die Gefallenen des Brüderkrieges aus dem Jahr 1866.
 

Hof Baiertal

Der Hof „Baiertal“ wurde im Bauernkrieg oder schon 1525 zerstört und danach näher zu Großrinderfeld wieder aufgebaut. Kirchlich gehörte der Hof bis zum Jahre 1954 zur Pfarrei Wenkheim. Einem Gesuch der Bürger und Einwohner Karl Stolzenberger, Johann Keller, Rudolf Hammer, August Holler, Otto Schäfer und Stanislus Olschowy vom 10. Januar 1953 zur Loslösung aus der kath. Pfarrei Wenkheim und Umpfarrung nach St. Michael in Großrinderfeld in die Kirchengemeinde hat der Erzbischof Eugen Seiderich nach der staatlichen Zustimmung am 1. April 1954 am 19. Oktober stattgegeben. Am  4. Dezember 1893 haben die Einwohner von Baiertal mit einem Kapital von 1156, 75 DM einen Kirchenfond gegründet, nachdem schon 1868 eine Friedhofskapelle gebaut worden war. Dieser Friedhof und die Kapelle mit 4 qm und 60 qm ist Eigentum des Fonds und nun Eigentum der kath. Kirchengemeinde Großrinderfeld, die auch zur Unterhaltung verpflichtet ist. Bei der Renovierung der Kapelle 1968/1970 wurde der Altar neu aufgebaut: Bodenbelag, Fenster, Dach und Blitzableitung wurden erneuert und mit einem Geschenk der Erzdiözese von 23 000 DM wurde eine Gesamtsumme von     33 000 DM verrechnet. In dem Dachreiter der Kapelle ist an einem Holzjoch eine Glocke aus dem Jahre 1676 aufgehängt, mit dem Gewicht von 62 kg und einem Durchmesser von 4443 mm mit dem Untertitel: IM WÜRZBURG GEGOSSEN 1676 + MICHAEL ORA PRO NOBIS. An der Flanke befindet sich ein Michaelsbild. Die Glocke wird von Hand geläutet.