Gerchsheim St. Johannes d.T.

 

Bis zur Reformation war Gerchsheim eine Filiale der Pfarrei Oberaltertheim.
1371 wurde für die Sonn- und Feiertage eine Frühmesse eingeführt, die in einer kleinen Kapelle, die sich in westlicher Richtung an den Turm der heutigen Kirche anschloß, gehalten wurde. Bei der Kirchenerweiterung wurde im Boden des Läuthauses der Sockel des damaligen Altares ausfindig gemacht.
Um 1400 waren die Fürsten von Hohenlohe Patronatsherren der Kirche von Oberaltertheim. Um 1500 haben diese das Patronatsrecht an das Rittergeschlecht der Hundt von Wenkheim abgetreten. Dieses war den Grafen von Wertheim dienstbar. 1522 bittet Graf Georg von Wertheim Martin Luther um einen evangelischen Prediger für seine Grafschaft; es war der ehemalige Mönch Kolb. 1524 wird auf fürstlichen Befehl der Grafen von Wertheim in Oberaltertheim die neue Lehre eingeführt.
Da jedoch Gerchsheim dem katholischen Grafen Leuchtenberg zu Grünsfeld gehört, verbietet dieser 1530 seinen Gerchsheimer Untertanen, weiterhin nach Oberaltertheim zum Gottesdienst zu gehen. Von Fürstbischof Konrad III. von Thüngen wird Gerchsheim für die kommenden Jahre als Gastgemeinde der Pfarrei Eisingen zugewiesen.
Im 15. Jahrhundert baute der Minoritenorden mit Hilfe des Klosters Himmelspforten die Friedhofskapelle von Gerchsheim.
Als dann Gerchsheim 1532 selbständige Pfarrei wurde, ist diese Kapelle zur Pfarrkirche erhoben worden. Aus dem Altertheimer Kirchenbesitz erhielt die neue Pfarrei Gerchsheim eine Glocke und eine schöne spätgotische Muttergottesstatue, Diese ist heute noch das wertvollste Kunstwerk unserer Pfarrkirche.
Über diese Muttergottesstatue gibt es auch eine Sage: Als Oberaltertheim zum neuen Glauben übergetreten war und man dort aus der Kirche alles, was an den früheren katholischen Glauben erinnerte, entfernte, habe man diese Statue den katholisch gebliebenen Gerchsheimern übergeben. Als man sie dort in der Kirche aufstellte, habe sie ihren Kopf in Richtung Altertheim gedreht. Das eine jedoch steht fest: in Oberaltertheim weiß man heute noch sehr genau, dass diese Statue ursprünglich in der dortigen Pfarrkirche stand. Als in den Jahren der Kirchenerweiterung eine Schulklasse aus Oberaltertheim unsere Kirche besichtigte, fragte mich ein etwa 11-jähriges Mädchen: "Wo ist denn unsere Maria?"
Die Pfarrei Gerchsheim feiert bis zum heutigen Tag das Fest Maria Geburt als Gelöbnistag zum Dank für die Erhaltung des katholischen Glaubens.
Von 1656 bis 1809 gehörte die Pfarrei Gerchsheim zum Landkapitel Mergentheim und Bistum Würzburg. 1806 wurde Gerchsheim badisch und kam 1827 zur Erzdiözese Freiburg.
1729 wurde eine neue Pfarrkirche gebaut, die in den Jahren 1961 - 1964 erweitert und renoviert wurde.
Der erste Spatenstich für die Kirchenerweiterung war am 23.7.1961. Am 26.4.1962 konnte das Richtfest gefeiert werden. Am Palmsonntag 1963 konnte der erste Gottesdienst im Neubau gehalten werden. Bis zum Fest Maria Geburt 1963 konnte die Innenrenovation des Altbaus beendigt werden, so daß nun der ganze Kirchenraum mit etwa 600 Sitzplätzen zur Verfügung stand. Im Frühjahr 1964 wurde mit der Außenrenovation des Turmes und des Altbaus und dem Verputzen des Neubaus begonnen. Noch vor Beendigung dieser Arbeiten wurde am 31. Mai 1964 die Kirche durch den Freiburger Weihbischof Karl Gnädinger feierlich konsekriert.

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In den Jahren 1965/66 wurde der Platz um die Kirche neu angelegt. Am 20.2.1966 erhielt die Kirche einen neuen, von Kunstmaler Sepp Biehler aus Boxberg gemalten Kreuzweg. Im Frühjahr wurde auch von einer Firma in Markelsheim eine neue Orgel mit 13 klingenden Registern bestellt, die bis Ende des Jahres 1967 geliefert werden.

Der Kirchturm, der etwa 38 Meter hoch ist, hat ein Geläute mit 4 Glocken. Das 1935 neu beschaffte Geläute wurde im letzten Krieg beschlagnahmt und bis, auf die kleinste Glocke abgenommen Im Jahre 1954 wurde das Geläute durch die Anschaffung von drei neuen Bronzeglocken vervollständigt, die am 6.12.1954 von Pfarrer Martin geweiht wurden.

1 . Glocke; dem Kirchenpatron Johannes d.T. geweiht:
"Ich bin die Stimme des Rufenden in der Wüste." (Ton fis', 800 kg).

2. Glocke: den Aposteln Petrus und Paulus geweiht:
"Wir rufen zur Einheit´der Kirche von Rom" (Ton a' , 500 kg).

3. Glocke: dem hl.Bruder Konrad geweiht ( sie hat den 2.Welt-krieg überstanden):
"Du Pförtner auf Erden läut' Einlaß zum Himmel." (Ton d'', 350 kg).

4. Glocke: der allerseligsten Jungfrau Maria geweiht:
"Und das Wort ist Fleisch geworden." (Ton h' 230kg).

Der Jetzige Friedhof wurde im Jahre 1841 angelegt. Zuvor befand sich der Friedhof nördlich der Kirche, an der Stelle, wo sich heute der Neubauteil der erweiterten Kirche befindet. Bei den Aushubarbeiten wurden noch viele Totengebeine gefunden, die man sammelte und in einem Grab unter dem neuen Hauptaltar neu bestattete. Am 26. Juli 1866 fand auf der Gerchsheimer Gemarkung ein Gefecht zwischen den süd- und norddeutschen Gruppen statt. Preußische Truppen haben die Cholera eingeschleppt. In der Zeit vom Juli bis September 1866 sind 35 Bewohner unseres Dorfes von dieser Seuche dahingerafft worden. Getreu einem Gelübde aus dieser Schreckenszeit findet bis heute alljährlich am Sonntag nach Maria Geburt eine Fußwallfahrt zum Käppele statt, die sich immer noch einer sehr guten Beteiligung erfreut.
Das Pfarrhaus stammt aus dem Jahre 1873.

Gerchsheimer Krippe

Über die Gerchsheimer Krippe liegen keine gesicherten geschichtlichen Daten vor. Es gibt nur mündliche Zeugnisse. Vermutlich stammt sie aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Einige der ältesten Einwohner Gerchsheimer können sich noch heute an diese Krippe erinnern. Früher war sie vor dem Nebenaltar der Kirche aufgebaut. Anlässlich der Erweiterung der Kirche wurde die Krippe 1964 renoviert. Seit dieser Zeit wird sie Jahr für Jahr in der Weihnachtszeit in der Kreuzwegkapelle aufgebaut, wo sie alljährlich in ihrem Glanz erstrahlt und zahlreiche Gläubige, vor allem die Kinderherzen erfreut.